Die Vorfreude steigt…

Heute in 130 Tagen ist es soweit: Dann werde ich mit großem Rucksack und klopfendem Herzen am südlichsten Zipfel Norwegens stehen. Neben mir der Leuchtturm von Kap Lindesnes, in meinem Rücken das Meer. Ich werde bis in die Haarwurzel gespannt sein, vor Aufregung förmlich zerspringen und mich wahrscheinlich fragen, wie ich eigentlich auf diese verrückte Idee kommen konnte. Und dann werde ich meinen ganzen Mut zusammennehmen und den ersten Schritt in Richtung Nordkap machen.

Beim Gedanken daran rauschen mir tausende Gedanken zeitgleich durch den Kopf: Dinge, die für die Tour noch erledigt werden müssen und Fragen, die es zu klären gilt. Was steht bei der Arbeit in den nächsten Wochen an, wen muss ich noch informieren, was meiner Vertretung mit auf den Weg geben. Die Zeit scheint förmlich dahin zu schmelzen und der Starttermin saust in rasender Geschwindigkeit auf mich zu. Momente leichter Panik in Anbetracht der vielen unerledigten Aufgaben kann ich nicht verleugnen. Besonders in Wochen wie den letzten beiden, in denen mich die Arbeit voll in Anspruch nimmt. 

Dennoch wird mit jedem Tag hinter all den herumwirbelnden Gedanken ein bestimmtes Gefühl immer präsenter und drängt sich stetig mehr in den Vordergrund: Die Vorfreude. Dieses leise leichte Ziehen im Herzen, die unbändige Freude auf die Zeit draußen, auf das Laufen, auf (fast) unbegrenzte Zeit im Fjell. Es wird mit jedem Tag ein Stück realer. Aus einem Traum wird Wirklichkeit. Es geht nun wirklich los. Schon jetzt gibt dieses Gefühl mir Kraft und hilft mir durch lange anstrengende Tage. Nur noch 130-mal Schlafen. Dann läufst du los. Morgen nur noch 129-mal… 

Mit dem Beginn des neuen Jahres wurde es Zeit die Planungen zu intensiveren und auf strukturiertere Beine zu stellen. Während ich es in den vergangenen Monaten langsam angegangen bin und mich vor allem mit Dingen beschäftigt habe, die mir Spaß machen, gibt es nun einen verschriftlichen Plan mit Deadlines und Etappenzielen. Erstellt habe ich ihn passenderweise im Winterurlaub zwischen den Jahren in Norwegen. In einer gemütlichen Hütte, mit einer Tasse Tee in der Hand, dem knisternden Kaminfeuer neben und dem Blick auf Schnee, Wald und Berge vor mir. Man kann es schlechter treffen. 

Es ist nicht so das auf der „Haben“ Seite nicht schon einiges steht: Die Route nebst einiger Alternativen ist detailliert geplant und die Versorgungspunkte festgelegt. Ich weiß wer meine Lebensmittelpakete aus Norwegen an mich verschickt und wie die Anreise und die Tage vor dem Start aussehen werden. Anfang Januar habe ich meinen Blog angelegt und schreibe nun meinen ersten Artikel. Den Großteil der Karten habe zusammen, ein neues GPS Gerät wartet schon auf seinen Einsatz und auch meine Essensplanung ist auf dem Papier weiterstgehend fertig. Mit meinem Arbeitgeber habe ich die wichtigsten Details besprochen und die Suche nach einer Vertretung läuft. 

Es gibt aber auch eine „Soll“ Seite: Ganz oben steht dabei die Ausrüstung. Man sollte meinen, dass jemand, der wie ich in den letzten Jahren so viel und zu jeder Jahreszeit auf Tour war, eigentlich alles besitzt. Weit gefehlt. Am Anfang fand sich auf der Liste der angestrebten Neuanschaffungen lediglich ein neues Zelt. Dann aber habe ich angefangen jeden einzelnen Gegenstand nochmals zu hinterfragen. Hält die Regenjacke noch der langen Dauerbelastung stand? Wäre ein leichterer Kocher nicht sinnvoller? Und so ist einiges zusammengekommen und meine große Herausforderung ist es gerade diese Liste noch mal auf Herz und Nieren zu prüfen und mit einem sorgsamen und mahnenden Blick auf mein Budget die wirklich wichtigen Dinge zu identifizieren. Das Ziel ist, die Ausrüstung final bis Mitte Februar zusammen zu haben, um alles noch mal auf den anstehenden Touren ausführlich zu testen. Außerdem wollen in diesem Monat noch erste Lebensmittel bestellt, mein Budgetplan final bearbeitet, Adressen für den Paketversand recherchiert, meinen Blog weiter mit Inhalt gefüllt und ein neues Instagram Profil erstellt werden. Und, und, und…

Und nebenbei werde ich immer mal wieder kurz die Augen schließen, mir das knirschende Geräusch meiner Stiefel auf dem felsigen Boden und das Gefühl der frische Luft im morgendlichen Fjell vorstellen und kurz mit pochendem Herzen der Vorfreude Raum geben. 

3 Gedanken zu “Die Vorfreude steigt…

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