Letzte Vorbereitungen, erste Aufregung und die Sache mit dem Wetter

Mehrere Jahre geträumt, über Monate geplant und nun ist es plötzlich fast so weit. Heute in zwei Wochen geht die Fähre nach Norwegen und zwei Tage später heißt es dann: Schuhe schnüren und los geht’s. Immer in Richtung Norden.

Und ja, mittlerweile ist sie da, die Aufregung. Um genau zu sein seit letzter Woche. Ziemlich genau an dem Tag, als ich fast alles fertig hatte. Nach vier intensiven Planungstagen waren alle Versorgungspakete gepackt, die letzten Ausrüstungsstücke besorgt und die finalen Details besprochen. Alles liegt bereit und muss nur noch im Rucksack verstaut werden. Und da war es: Dieses flaue Gefühl in der Magengegend, das Kribbeln bei dem Gedanken an die kommenden Monate. Plötzlich wache ich nachts mit klopfendem Herzen auf und frage mich wie es wohl sein wird, wenn ich bald tatsächlich unterwegs bin. Ich glaube es war nur eine Frage der Zeit bis es so kommen musste. Es wäre ja schließlich auch kein echtes Abenteuer, wenn man nicht wenigstens ein bisschen nervös ist. 

Die Tatsache, dass mein eigener Zeitplan so gut aufgegangen ist, erlaubt es mir die letzten zwei Wochen vor der Abreise tatsächlich ganz entspannt anzugehen. Neben der Arbeit bleibt die Zeit um meine Freunde und Familie zu sehen oder noch mal ein Wochenende mit dem Bus und meinem Liebsten am Strand zu verbringen. 

Die andere Hälfte der Zeit beschäftige ich mich mit dem Wetter. Am Anfang meiner Planung habe ich gesagt, dass ich erst zwei Wochen vor dem Start entscheiden kann, welche Route ich im Süden wähle. Das wäre dann jetzt. Leider bin ich immer noch nicht schlauer. 

In den letzten Wochen habe ich eine sehr innige Beziehung zu meinen zwei Hauptquellen für die Wetterverhältnisse im Norden entwickelt: die App von yr.no und die Internetseite senorge.no. Mehrmals am Tag gucke ich auf den Wetterbericht in den Bergen des südlichen Norwegens, vergleiche Schneestände und Temperaturen. Als wenn sich da in wenigen Stunden etwas ändern würde. 

Für all diejenigen, die sich fragen, warum das denn nun eigentlich so wichtig ist, hier eine kurze Erklärung: Grundsätzlich ist Ende Mai und Anfang Juni nicht die beste Zeit um im Fjell wandern zu gehen. Der Grund dafür ist die Schneeschmelze, die je nach Lage und Wetter meist noch nicht so weit fortgeschritten ist, wie man das gerne hätte. Während man sich bei einer Wintertour über die schneebedeckten Landschaften freut, sind alte Schneeflächen zum Wandern ohne Ski und Schneeschuhe eher nicht so optimal. Manchmal, wenn der Schnee gut verfestigt ist, kann man auf darauf laufen. Aber eben nur manchmal. Manchmal bricht man auch wahlweise bis zum Knie oder bis zur Hüfte durch. Das ist nicht nur wahnsinnig anstrengend, sondern mit 20kg auf dem Rücken sehr schädlich für die Gelenke. Ich habe das mal bei einer Tour Ende Mai im Lifjell ausprobiert. Es war eine tolle Tour, aber zu den bleibenden Erinnerungen zählt auch ein nach wie vor etwas lädierter Knorpel im Knie. 

Die direkteste und zudem sicherlich eine der schönsten Routen auf dem Weg von Lindesnes nach Norden geht über die westliche Setesdalheiane und dann durch die zentrale Hardangervidda. Nun liegen jedoch die Wanderwege und Hütten in beiden Gebieten gerne mal über 1300m. Es hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, ob dort am Ende Mai/Anfang Juni noch Schnee liegt. Grundsätzlich sah es in diesem Jahr sehr gut aus, denn zumindest im Süden ist in diesem Jahr vergleichsweise wenig Schnee gefallen. Davon konnte ich mich bei unserer Schneeschuhtour im März selbst überzeugen. Und es war sehr früh sehr warm. Lange war ich also durchaus optimistisch. Naja, und dann kam der Winter vor zwei Wochen mit bis zu zweistelligen Minusgraden zurück. Und weil das ja noch nicht reicht, gab es noch mal eine ordentliche Landung Neuschnee obendrauf. Gute Bedingungen für eine späte Skitour – aber eben nicht zum Wandern. Im Moment steigen die Temperaturen wieder, es besteht also wieder ein bisschen Hoffnung. Ich gebe meinen Plan jedenfalls noch nicht auf. Leider ist das Problem auch nicht mit dem Schmelzen des Schnees noch nicht wirklich vorbei. Das Schmelzwasser lässt die Flüsse ansteigen und die Sommerbrücken werden erst Ende Juni aufgebaut. Aber das ist dann noch ein anders Thema. Im Zweifelsfall wird es doch die östliche Route, auch dort ist es sicherlich schön. 

Noch sind es ja zwei Wochen und so heißt es weiter abzuwarten und Daumen drücken. Und immer mal wieder auf den Wetterbericht und die Schneeverhältnisse gucken und hoffen, dass das Hypnotisieren des Bildschirms die Temperaturen doch noch um 2-3 Grad nach oben treibt. Und derweil pflege ich weiter meine Aufregung und lausche auf mein klopfendes Herz.

4 Gedanken zu “Letzte Vorbereitungen, erste Aufregung und die Sache mit dem Wetter

  1. Anja

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser mutigen Entscheidung, Norwegen von Süden nach Norden zu durchwandern! Das wird eine aufregende und unvergessliche Tour, für die ich wunderschöne und einmalige Erlebnisse wünsche. Alles Gute!

    Angesichts der umfangreichen Vorbereitungen traue ich mich fast gar nicht, diesen Tip zu geben, aber ggf. würde ich yr.no noch mit storm.no ergänzen, da die Vorhersagen teils doch ziemlich auseinanderliegen.

    God tur!

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  2. Kerstin

    Ein bisschen beneide ich dich. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Vorhaben. Ich bin ein großer Fan von Norwegen und glückliche Besitzerin einer Hütte in der Nähe von Trysil.
    Also, falls du auf Abwege kommst, bist du herzlich willkommen.

    Gefällt 1 Person

  3. Marcus Wehnert

    Hei
    na, aufgeregt? 🙂
    Ich drücke dir fest die Daumen und begleite dich gern mit ’nem „Blick von oben“, da ich am 70.Breitengrad auf ner kleinen Insel leben darf.
    Schon einige Jahre begleite ich mit Neugier und Respekt euch NPLer.

    Vor vier bzw drei Tagen bin ich zwischen Skjervøy bzw Tromsø und Oslo unterwegs geweden. Bis etwa 20 oder 30 Flugminuten vor Oslo (vom Norden kommend) lag noch echt viel Schnee.
    Allerdings sind es ja vom südlichsten Punkt einige Kilometer bis dort so dass der Sommer das sicherlich regeln wird.

    Mange hilsen og lykke til
    Marcus

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